Mittwoch, 12. Juli 2017

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There’s a hole in my heart,
No, I won’t break your heart.
Ich laufe unschlüssig umher.
My young heart has been there.
Lang blieb es aus, das Klavier in meinem Haus, das Piano, das überall und nie anderswo, die Flügel, die mir verklebt.
Kurz ist die Zeit, die uns bleibt. Wir hören dasselbe Lied, doch heute macht es keinen Unterschied.
Ich wusste nicht, dass ich es nicht besser weiß, wusste nicht, dass ich es nicht wissen kann. Das ist höchste Rechenkunst mit zu vielen Variablen, zu vielen Unbekannten, zu wenigen Wegen, die sich auszahlen. Das Schmerzhafte an Qualen: dass alles wie im Film scheint, doch nichts davon wirklich überschaubar ist. Kein Stuhl, auf dem dein Name steht, keine Klappe, wenn sie zufallen sollte. Kein Text von jemand Drittes- ich ist kein Anderer.
Ich stelle die Requisite in Wänden, die mir ein zuhause geworden. Ich puste Luftschlangen und werde sie auch noch verhängen. Schreibe dem Nachbar einen netten Zettel und gieße deine Blumen, streiche über eure Betten und schließe langsam die Türen. Bepacke das blaue Auto, schalte die Lichter an, sehe, der Tacho ist noch nicht am Roten dran. So fahre ich von weit her an der Elbe meinen Tank leer ohne vier Mal stehen zu bleiben, denn ich muss mich entscheiden mit dem Daumen oder beiden Fingern zu schreiben. 
Die Nacht umhüllt mich mit ihrem Gefieder, ich finde mich auf unbekannten Strecken wieder, möchte stehen bleiben, endlich stehen. I get lost all the time.

985 Kilometer entfernt sitzt sie.
Schaut aus dem Fenster, auf die satten, grünen Hügel, über den Tellerrand hinaus.
Sie sitzt. Zum ersten Mal seit Monaten. Ist da, genau dort.
Das Fernverkehrticket zurück ist datiert. Außer, dass der Staub sich zersetzt und fällt, ist noch sehr vieles mehr passiert, doch wem trägt es bei, wenn es so bodenlos nicht mehr zu tragen ist? Der Notausgang scheint zementiert, die Fenster verriegelt ab zu später Stund, das Dach ohne Luken vergiebelt, ein Heim ohne Grund, ein Abendbrotstisch ohne zu stopfenden Mund.
Außer, dass die Sonne sich verkrampft durch diese nassen Tage kämpft, das einfallende Zimmerlicht ankurbelt und dämpft, ist noch sehr vieles mehr passiert, doch wie kann man es festhalten, wenn alles drum herum an Fassung verliert?
Die Richter haben ihr Urteil gefällt.
Schuldig gesprochen, in allen neun Anklagepunkten. Lebenslang gemauert. Sie urteilen, dass man seine Unschuld nicht durch Geschlechtsverkehr, sondern erst durch die Geburt eines Kindes verliert.

Fast eintausend Kilometer entfernt steht sie auf.
Geht aus der Tür, der hölzernen, der letzten im Gang. 
Zum ersten Mal seit Jahren setzt sie ihre Füße selbst. Läuft.

Und sieht das grünweiße, leuchtende Schild.


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