Mittwoch, 12. Juli 2017

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Sie liebt mich, wenn ich alleine bin, doch empfinde ich keine Liebe wenn ich auf Reisen bin.
Wenn sie morgens frischgeduscht zu mir herüber kommt, verteilt sich ihr Duft den ganzen Tag auf meiner ungebügelt zauberhaften Baumwollkluft, verteilt sich den ganzen Tag auf mir. Dann kann ich alles empfinden im wir. Ich schreibe dann einwandfreie Liebesgedichte aufgrund dieser außerordentlich ausnahmslosen Liebesgeschichte. Mein Traum in blauweißen Punkten, wasserabweisend und graziös gedankenkreisend.
Bilderverhangen folge ich der Umleitung im baugestellten Kreisverkehr übers Morgenland. 
Die großen Buchstaben ergeben -Notaufnahme- und das Gefühl dahinter beherrscht blaulichtig über meinen rationalen Verstand.
Ein folgenschwerer Personenschaden mit Bon Iver bei einer eingelegten Rast und wie du nach acht Jahren diesem Lied eine völlig neue Bedeutung gegeben hast.
There is no greater love, Amy.

Ich schrecke mit meiner Tischtenniskelle im bemalten Faustgriff auf.
Humboldthain.
Auf dem Personenwaggon der BVG, der soeben einrollt, steht in frischer, eigenbewerbender Schnörkelei: alles ist erreichbar.
Doch ich frage mich: zu welchem Preis.
Ein Langstreckenticket kostet mittlerweile drei Euro vierzig bei 120 Minuten Nutzungserlaubnis. Die Kurzstrecke liegt preislich tiefer, doch darf ich nicht umsteigen in ihr, nicht die Linien wechseln und sowie nicht vergessen zu stempeln. Sonst ist alles kriminell, wo aber bitte soll noch ein Stempel bei mir hin, so bemalt wie ich schon bin?

Kein Mensch ist illegal.
Es steht in dicken, wütenden Buchstabenklecksen auf dem stillgelegten Bauwagen.
Wendtland, Weltland, Hinterland.
Es reißt mich weg, mal wieder, 230 Kilometer die Landstraßen entlang. Es wird langsam wie ein Zwang, fünfter Gang, an die beleuchtete Tanke ran: wann bin ich da, alter wann?

„Ich bin gut angekommen“ spreche ich gegen Nachmittag in mein mobiles Telefon. Eine verrauchte, tiefherzliche Stimme am anderen Ende, circa fünfundzwanzig Kilometer von mir entfernt, sagt, dass sie das freue und beschreibt mir in den nächsten Minuten das Versteck des Schlüssels, den ich brauche, um eine hölzerne Tür des Vertrauens zu öffnen, um vertrauensvoll heimlich zu agieren. Ich trete ein, zunächst noch in Schuhen, diese ziehe ich rasch aus und beginne nun, nein registriere erst: ich bin wirklich angekommen.
Horche in mich hinein, meine Ohren rauschen. Ruhe. Tiefe, innere Ruhe.
Nichts hier ist unberührt. Sofort habe ich euer Tun auf der Haut und in meinem Herzen gespürt. Es zuckt, es zappelt. Ich gehe in die Knie und falle nieder.


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