Montag, 29. Mai 2017

lonely // highly happy as can be


Ich hole den alten Untersetzer wieder hervor, stehe mitten in München, Sendlinger Tor.
Lege mein Ohr auf die befahrenen Schienen jener Möglichkeiten, jener damalig möglichen Maßeinheiten. Die schwarze Regenjacke ist mit Frühlingsregen nass, ich bin so reif und habe keinen Schimmer von auch nur irgendwas. Der Bass wummert und drückt, etliche Eskalation ist von mir entzückt. Empfinde mich als charmant verrückt, ein Zustand, der mich noch ins Universum schickt. Ich habe mich schick gemacht und dabei an niemanden gedacht, mir eine Dusche gegönnt, bin warmduschenverwöhnt. Auf Flughäfen regelmäßig völlig zugedröhnt.
Chinesisches Essen und fremde Küsse in Neukölln, es ist kurz vor Neun, jedoch weiß ich nicht ob morgens oder abends, denn überlastet und gereizt ist der unbedachte Mittelfinger schnell gespreizt. Ich torkele die Treppen zur Uh, Acht hinauf um bald vor Mitternacht, die Minuten sind gestempelt, ahnst du, wo ich mich wirklich und in real befinde?
Ich bin gejagter Fisch und tanze auf deinem brüchigen Tisch, bin wasserfreudiger Stier und muss mit meinem Kopf durch alle betonierten Wände hier.
Kämpfe mich frei aus dem zweischneidig entgleisenden, gleißenden Einheitsbrei im Alltagskleid und ziehe tief Luft.
Tiefgang, wenn keiner: Alter Ego ruft.

Drei Wochen und drei Tage vergehen und der grandiose Chilly Gonzales verursacht in mir brüchig Katastrophales. Das Bild um mich hat sich radikalisiert und das Gewachsene sich mit, drum herum.
Es plätschert lieblich süßer Sommerguss auf die gewärmte Skodakarosserie und lässt die satten, espengrünblühenden Bäumchen kurzweilend etwas hängend dastehen. An diesem ersten Tag mit Temperaturen über der Dreinull denke ich an Afrika und frage mich, wie wohl der Rest der Welt geschmeckt hätte.
Ja, an diesem ersten Tag mit Temperaturen nahe der Viernull führen mich meine heißbereiften Räder zu einem verwunschenen Pfad aus dem letzten Sommer, einige Male fahre ich durch die Örtlichkeiten und suche dabei den sandigen Steig in die ehemalige Verantwortungslosigkeit. In letzter Sekunde finde ich dann die Kurve, um die ich endlich biegen muss. Zwischen Kyritz, Wittstock und verstecktem Fluss. Eiskalt rinnt es mir den Rücken hinab, der letzte Kaffeebecher macht schlapp, ich halte mittig und bringe das Auto zum Stehen. Ziehe den Schlüssel, schließe es ab.
Ich war zehn Jahre jünger, als ich das letzte Mal hier war; das letzte Mal ist keine 365 Tage her, nicht mal ein Jahr. Die Ufer sind übergetreten, ein Bauchgefühl des zu Späten. In meinem eigenen Handeln liegt die vollkommende Pünktlichkeit.
Unendlichkeit.
Kopfsprung von der Tribüne, ich wasche mir selber den Kopf, schwimme immer ohne Zopf und trainiere das Wirbelsäulenrückrad, unter Wasser macht das grad so über Hals und bereits jetzt ist der Stoffrucksack geschnürt, nur falls. Falls es knallt und das Fallen Fälligkeiten schürt, falls sie lallt und weg muss, besser vorhin noch als erst bald.
Denn es muss fluchtartig geschehen, wenn alles zu langsam wird, damit es nicht zu abgrundtiefem Stillstand führt.

Zwei hochwertige Opinel.
Und das Messer aus Namibia.
Eine sich dem Ende neigenden Autobatterie und seensuchende Sehnsuchtssympathie. Sucht.
Diese Umleitung ist geboren worden um die schönsten Ecken zu finden, doch die Schönheit dieses Zustands kennt nur sie.
Das Land wird flach, wird zum rettenden Weltnaturvordach.
Wird zu allem, das ich augenblicklich brauche währenddessen ich zu wenige Zigaretten rauche, ich strauche und streiche rauchend in ungeahnt weite Lebensbereiche. Meine Lebensbereitschaft zur Nacht, ist augenringlich düsterdunkel gemacht am übernächsten Tag. Ich schminke mich nicht und tusche nichts über, stehe dazu, drunter und drüber. Bin die Wölfin im Schafsgefieder auf dem hiesigen Tankstellengelände, gewaschene Hände und ein Toilettenschlüssel retour, einen großen Kaffee noch to go und dann aber ab dafür.

Wieder auf dem Rückweg, auf dem sich alles rückwärts dreht außer der im Tachometer, tickenden Uhr. Mein mobiles Telefon muss schleunigst an die Akkumulatorschnur, ich wechsele die Fahrbahnspur, fahre links, alles wird enger und ich wünschte mein zu Hause wäre länger, länger und länger.
Trotz zur Ruhe kommenden Motor adrenalisiere ich, ich sehe dich an, sehe: mein Ansehen ist kunstgebrochen liederlich.
Wenn der brummende Laptop später im Naturschutzgebiet hochverfährt, komme ich endlich runter. Erblicke mich spiegelverkehrt und wildunfallunversehrt. Es gab kaum Stau und einen feuerrotleuchtenden Untergang auf dem Weg zu meinem sehr geschützten Fuchsausbau.
Die Gedichte im Schlepptau.
Stadt, Land und wo ich sonst noch bin.

Not saving my face when I am right in.
Not: save myself when I am writing.



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