Sonntag, 5. Februar 2017

she said its just a number but it isnt



Reinkultureller Frischfrost macht sich an meinen Schuhen zu schaffen und legt sich bereits am jungen Abend trügerisch auf die warmgefahrenen Feierabendautos dieser Straßen. Meine Straße endet in einer Sackgasse und mündet am Kanal. Mein Freiheitsentzug ist plakatiert und hat bunte Wände. Man darf hier rauchen und rauschen, essen und schlafen wann man möchte, mal mehr und mal weniger. Man kann es deuten wie man möchte; es ist Auslegungssache.

Mein augenscheinlicher Globus, das ist eine gut überschaubare Einmündung am hölzernen Steg des halbmittelständischen Bestehens. Eine Sackgasse hat etwas in sich Schließendes; ich schließe die Wohnungstür zum Mehr, zur guten Brücke, zur weichsandigen, letzten Bucht.
Hier gibt es dekorative Fotos nebst frohlockenden Bändern und hübschen Verkleidungen an den Rändern, sowie gut sortierten Platten auf den Tellern.
Zwar bin ich auf freiem Feld mit gutem Dünger und bestknospersten Voraussichten gewachsen. Doch scheint es, als gleiten heute nur noch Mauern und Wände durch meine kopfgesteuerten, immer viel zu vollen Hände. In einer viel zu leeren Metropole habe ich gesehen: es sind die Robben an der östlichen Mole, die wirklich springen.
You are free!, spring.

Winter. Wir sind. Und haben.
Fernweh, aller guter Grenzen nah.
So zieht es mich vorbei an zufriedenen Kühen und an Kleeblättern, die auf Butterstücken blühen. Pasteurisierte Sahne to go und auch zum Sprühen. Mein Deutschland ist das innerfeste Kriegsgebiet, in dem es zu viel Stillstand gibt. Wer stellt die Weichen und wer ist dergleichen unter dem immer Gleichen? Ich bevorzuge Striche unter dem Karierten und Streifen gegen die Resonanz, Askese und Tanz. Nach all den zapfenstreichigen Sperrungen im gelösten Narrentum bin ich da, wo ich nicht bin.
Währenddessen, unter einer Sturzflut von Licht, erscheint der öffentliche Dienst zur Nachtschicht und am Bahnhof im nirgendwo/indie go dann die tränenreiche Erkenntnis letztkonstruierter Tage:
Triebwerksstörung im Drüsenjet, die Apparaturen schalten selbstständig von hin auf her, im Batteriefach ist die Kopfzelle leer. Beim Soopersonderwunderhandel gibt es diese Sorte jedoch schon längst nicht mehr.
You are free!, aber zu welchem Preis?
Die strombetriebenen Tafeln der innerstädtischen und überdörflichen Zapfsäulen jenseits dieses unbebauten Ufers zeigen hohe Zahlen hinter dem Komma und wieder komm ich ins Grübeln und Sinnieren- mogelnd gewinnen oder lieber hochhaushochstolz verlieren? In der Schleusenstraße Sieben dreht sich alles ums Leben und Lieben, dominoeffektieren und Joker wild umher schieben.
Nichts ist echt.
Und alles im vorübergehenden Schnitt endgültig.
Cut.
Zerschlissene Jeans sind ebenso wenig Indiz für Wohlstand wie SUVs und maßgeschneiderte Anzüge.
Und Leute, you are free! ist ne temporäre, fette Lüge.

Die Restflexibilität als Alternative ist meine jetzt zu startende, äußerste Chamäleonsuperlative. So gut und soweit brauche ich neue features und muss aufstocken, ohne Kohle in der Tasche und auf gebügelten Socken steppe ich aus dem Haus, ganz egal wohin, Hauptsache erst mal raus.
Der treue Skoda springt nicht an und Schuld daran hat das Vergessen irgendwann. Der Kühlschutz muss her, bitte Motor, so kommet er! Die Wellen reißen sich um mich und diese Welt zerreißt mich. Demgemäß wird es dabei bleiben; mein Arrest, der ist begrenzt und nur auf ein Minimum vernetzt.
Ich lockere das Kabel zu meinem iPod, Wackelkontakt.

BABY
DONT GROW UP:

ITS A TRAP.

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