Montag, 9. Oktober 2017

eau d'bedroom


Ein Flugzeug fliegt, irgendwo. Ich sitze nicht darin.
Alle Straßen sind leer und alle Häuser weg. Ich schwirre durchs Urbane und sehe doch vor lauter Bäumen den Wald nicht ganz. Wenn ich verstehen will, wo ich mich befinde, muss ich mich in Bewegung setzen. Wieder einen Schritt nach dem anderen machen. Meine Füße, sie bringen mich an Ort und Zeit, meine Schuhe, sie finden den Weg für meinen Körper, finden die Buchstaben in meinem Kopf für alle unausgesprochenen Wörter. Meine Vans lassen mich erst hängen, wenn ich sie spät nachts abstreife und alles aufschreibe. Ich bleibe. Noch kurz hinter den sich öffnenden U-Bahn Türen stehen und fast wie ausversehen springe ich dann auf den Bahnsteig, in letzter Sekunde. Lesson learned: nur wer wagt, der lernt. Und earned. Und dass es wirklich nicht wichtig ist, welche von all den Türen man nimmt, solange man bedacht ist, wie man sie durchschreitet. Wir sollten beide jetzt ausgerüstet sein und genügend vorbereitet für dieses große, wundersame Ding, das niemand kennt und alle nur Zukunft nennen.
Peng.
Es gibt einen Laut und danach schlägt der Takt, kommt durch dein liebliches Singen in der Nacht zum allerletzten Akt. Höhepunkte passieren meistens nackt.
Es gibt einen Menschen und danach passiert nichts mehr.
Es gibt einen Menschen und der passiert dir ein Mal im Leben.
Teen dreams versus Realität: im Erwachsenenleben ist es für gewisse Dinge schlichtweg zu spät.
Es gibt zwei Menschen und die gehören zueinander.
Biorhythmus. Schlafverhalten.
Elbe, Afrika, Unendlichkeit.

Die ersten Schneeflocken werden fallen, ganz sanft und unbedacht in einer heran brechenden, klirrendkalten Novembernacht. Du wirst sie mir vom Haare streifen, ganz sacht. Weißer Winter auf meinem braunen Haar, Jahr um Jahr um Jahr.

eau d'dancing


Wild charms sind zwei verlorene Seelen in einer herzlosen Metropole, die sie in Arbeiterbezirken nicht mehr in den fünften Stock schleppen, sondern ausschließlich digital machen: Schmierfinger beschmutzende Kohle.
Alles besteht aus Geld und zerfällt durch eine wertelose Welt aus Kaugummizigaretten, in der jeder nur sein gottverdammtes Telefon in den Händen hält und sich mit identischer Kleidung fühlt wie Held.
Ich betrachte diese Entwicklung mit äußerstem Argwohn eine Weile jetzt schon. Abgesehen davon, dass ich dort schon ewig nicht mehr wohn‘. Alison Mosshart ist die Königin. Doch eine Andere sitzt auf meinem Thron. Kaisergang Schönhauser Allee. Und alles in mir schmerzt und tut weh. Zwischen Mädchen mit kurzen Hosen und blaugefrorenen Handrücken muss ich mich vorbeidrücken an sanierten Hausfassaden und leerschauenden Großverdienern. Schaue in den Horizont, möchte großkotzig berlinern: Ich bin ein Berliner! Frage mich, ob die Anderen auch diesen Dreck hier sehen und wofür sie überhaupt noch Klamotten kaufen gehen. Komme zum abrupten Stehen. An einem beklebten Stromhäuschen steht I am too shy to rap und ich denk mir yep, man, recht hat der Typ. Bemerke dann mit einem Augenaufschlag in Ohrenhöhe, dass auch alles um mich herum englisch spricht und nicht nur dieses Großstadtromantikgedicht da aus Klebefolie. Ich schließe meine müden Lider.
Atme tief ein.
Über mein Deutschland legt sich der Herbst.
AFD und FDH.
MDMA.
Er ist acht Jahre alt und sagt zu mir im saloppen Vorbeigehen:
Überleben oder Hardcore.
Ich setze die Puzzleteile zusammen, fünfzehn Jahre später.

Le Tigre hatten die ganze Zeit recht.

keep on your mean side


Ein Löwe kämpft in mir
Ein Tiger schläft unter meinem Bett
Zu viele Affen auf den Schultern für zu wenig Zucker am Tag.
Und klack und zisch:
Die Beine unter meinen Tisch!
Frischgeköpfter Fisch und Spaghetti Eis zum Nach- am sesamkörnerverkrümelten Tisch.

Zusammenbrechen wenn alles zusammenbricht.
Doch es geschieht einfach nicht.
Nichts geschieht einfach
Einfach geschieht nichts.

Blaulicht, Rotstich, Gründepot, Schwarzmalerei.
Hinterm finowfurter Regenbogen vermischt sich alles zu schönster Zuckerwatterei.
Letharnei. Eins. Zwei.
Bis nachts um Drei und nassen Füßen lassen die Zugvögel grüßen.
Mit Leim und Molotow bewaffnet gestalte ich das Ortseingangsschild um.
It wasn’t me, ich war es nicht.
Lumdidum.

Immer vierspurig und zweigleisig mit dem dreifach Blinker im Gepäck:
Boredom, watch your back!


Montag, 18. September 2017

marilyn


Heute.
Wird halb und halb zu Ganz für tausend Augenlichter, ich komm dichter, du lenkst ein, ich denke abends lichter und du kommst mir mit den trüben Abendlichtern.
Ich fahre Schrittgeschwindigkeit und in meinen Ohren rauscht das Blut. Koffein und Matekick vermischen sich, mein Herz, ja das schlägt für dich.
Eine Karte für die BVG, ein Stempel zum Tanzen, ich knalle volle Häuser auf den Tisch, verspeise den Rest; was für ein Fest.
Wir jagen deine Waschtasche durch die halbe Stadt und sammeln dabei jeden Stern vom Boden. Die höchsten Laternen weisen uns den Weg für Füße ohne Grund, für Gestalten, die darüber schweben. Ich könnt mich ergeben und in der vorletzten Nacht habe ich es getan, in der vorletzten Nacht mit Erbarmen. Für dich und für mich ist mir der Kopf geplatzt.

Sie öffnet die schwere Holztür mit dem goldenen Knauf und blickt zu mir; alles strahlt und alles strahlt in ihr. Wir neigen unsere viel zu weit entfernten Gesichter und lächeln tief in uns hinein.
Nein, ich will keine Freiheit!
Ich will verloren sein.

Zwischen Buddelkasten und Eckkneipe, zwischen Investorenträumen und Kreuzberger Apfelbäumen, Mount Kimbie und Ruderboot, zwischen schlechtem Grasgeruch und Blaulichtern bleibt dann die Warschauer Straße stehen.
Und für einen kurzen Moment kann ich die Zeiger packen, greifen und spalten. Für einen kurzen Moment kann ich empor steigen, verschwindet das Ziffernblatt, kann ich stehen auf den Sprossen. Gib mir Erde zum Wachsen und Schattenplätze für die Hitzewellen. Im zauberumnebelten Sog eines Wochenendes ist plötzlich der Herbst da. Wie kann ich noch versprechen, keine Fehler zu machen? Es ist fünf Uhr morgens.

Einhörner gibt es doch. Power to the people!
Ponys und Kassettenketten dieser Welt. 


Dienstag, 8. August 2017

bee_ar it on


Ich ahne es schon den ganzen Tag. Und dann, dann trifft es mich und trifft es ein. In sich zum Bordstein neigender Sonne schreite ich auf eben Gleichem, schreite bedächtig romantisch aufrichtig, wandle zwischen alten Häuserwänden, trug einmal das Gold in meinen Händen, auf diesen Straßen. Nur ein paar Kilometer liegen zwischen gestern und hier, liegen zwischen burn the house down und mir. Nur ein paar Stunden gilt das Wir, stundenweise gefülltes Papier türmt sich im vollgestopften, blauen Container an der Ecke, als ich sie erblickend entdecke.
Ich bleibe stehen, aber ganz sanft. Keine Steine in meinen Knien, nur Wohlgefallen im Bauch. Fünfzig Sekunden werden in jener Tempodreißigstrecke zum Pausenknopf, werden in Nullkommanichts zu zehn Strophen Gedicht. Dein Gesicht. Ist abgeschirmt, aber kein Geheimnis für mich. Leg es frei. Und was es bedeutet, wissen nur wir Zwei.
Hinter vier schwarzen Gläsern sind wir uns nah für einen Augenblick.
Kunst.
Umgibt sie und zieht mich tief in das altbekannte Gemisch aus Herzschlag und fantastischer Vernunft. The story continues and continues and continues.
Was, wenn alles nur so wie bei Truman ist?
Capote.
Kaputt.
Nicht eine einzige Kamera fällt vom Filmsethimmel, doch ich stolpere über das bescheuerte Glück.
Tatort.
Satellitenschüssel.
Der wilde Opel und die Blitze in meinem Kopf.


Mittwoch, 12. Juli 2017

prt1


Ich bin angeklagt in allen neun möglichen Anklagepunkten. 
Ich konnt‘ mich nicht mehr verteidigen, war viel zu schwach. Mein Kopf ist auf die Richterbank geknallt vor lauter Mattheit, endlich ein Stuhl, endlich zum lange Sitzen Zeit, habe ich gedacht. Ich gehe freiwillig ins Gefängnis, gehe freiwillig dieses Umgängnis der wehrlosen Pflicht.
676 Wochen. Und 4732 Tage, bis es Null Uhr Mitternacht ist; bis der Rucksack zugeschnürt auf meinen zarten Schulterblättern wieder sitzt.
Wie viele Blätter wird es bis dahin wohl geben und wie viele Bücher werden durch mein Weltalles schwebend fliegen. Fliegen. 
Mit den selbstgewachsenen Flügeln siegen, der Pazifismus in Kleinkariertkriegen ist nicht unterzukriegen: ich boxe erst zurück, wenn du mir eine drückst. Und es drückt gewaltig, doch die Meinung darüber, die spalte ich. Versuche anzukommen, bevor ich endlich noch einmal gehen darf.
Darf ich aufstehen?
Ich bin schon fertig.
Lecke das Messer sauber ohne rosablutige Zunge, lecke mir die Wunden mit einer grünbefüllten Lunge, putze den Poeten in mir raus.
Bis dahin, so far.
Nehme ich das hiesige Asyl; Obhut, ob der Aufenthalt auch guttut. Obacht, wenn es wehtut.
In meinem Kopf überschlagen sich die Spuren zuletzt befahrender Autobahnen, in meinem Kopf überschlagen sich die leider lösungsfreien Fragen. Ohne Airbag habe ich uns geprellt, doch diese große, wundersame Liebe kein einziges Mal in Frage gestellt.

In Watte gepackt bin ich frühs und schwitzend aufgewacht, es ist nur ein Traum wurde mir gesagt; die Bahn rollt trantutig im Hintergrund, rollt über eingelassene Gleise auf den Feldern, ist gefüllt mit Menschen, Geschichten, Sex und ihren Geldern.
Ich vergesse alle Gesichter, die Haut wird dichter mit ihren Aufgaben und so sind es meine tiefen Augen, die zu diesem Zeitpunkt bemerkenswert aufmerksam herausragen.

Sie malt ein Bild, auf dem ihr Name steht.
Sie ist hinter jedweder kindlichen Vernunft, sie ist bereits jetzt: Kunst.
Ich schreibe in ampelrot was dazu.
A bunch of water
A ship to sink
A bottle of whisky to drink
An endless mind to think.
Und es ist sicher nicht das Klügste, ihr das so zu vermitteln, doch alte Ansichten stecken in nicht mehr genähten Kitteln. Und sie ist keine davon, keine einzige Ansicht entspricht in ihrem Wesen annähernd diesem einen Gedicht. Das aus ihrem tabu la rasa spricht.
Wenn alles anders wäre, könnte sie keine Künstlerin sein,
Wenn alles anders wäre, könnte sie glücklich sein.
Die Straßen dampfen nach dem großen Regen.
Noch 675 Wochen.
Dann ist der Bann gebrochen.